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Der Tanz von Kronos' Kindern
Der tanzende Mönch
2001, Bronze, Höhe 175 cm
Der tanzende Mönch
2001, Bronze, Höhe 170 cm
Der jüngste der Titanen, der Sohn von Uranus und Gaia, verletzt seinen
Vater tödlich, welcher aus Angst, die Oberherrschaft über das Universum
zu verlieren, seine Söhne gefangen hält; nun tritt er dessen Nachfolge
als Beherrscher der Welt an. Aber bald darauf wird auch er genauso grausam
wie sein Vater. Er heiratet die bezaubernde Gaia, eine fruchtbare Mutter, die
ihm viele prächtige Kinder schenkt: Hestia, Demeter, Hera, Poseidon und
Zeus. Als ihm prophezeit wird, dass ihn einer seiner Söhne vom Thron vertreiben
würde, verschlingt er blind vor Angst alle seine Kinder. Der Mutter gelingt
es nur, den kleinen Zeus zu retten, der später als Erwachsener seinerseits
seinen Vater besiegt und ihn zwingt, seine Brüder wieder auszuspucken
und ihm letztlich den Thron für die Herrschaft über Menschen und
Götter zu überlassen.
Anna Chromy überdenkt das Problem der Tyrannei von Kronos neu. Denn niemandem
ist es gegönnt, dem uns vorgegebenen Lauf der Zeit zu entfliehen. Aber
jeder setzt den Sinn seines Schicksals so ein, wie er auch dessen unvermeidlichem
Rätsel zu begegnen weiß. Das Rätsel, das hier von Anna Chromy
gewählt wurde, beschreibt den Übergang von einem Tag zum anderen
oder das Ende eines Lebens und drückt sich in Form eines Ritualtanzes
aus. Denn nur tanzend vermag man sich der Last des Alltags zu entledigen. So
ist es der Körper, der den Rhythmus der eigenen Verwirklichung bestimmt
mit dem man durch die Zeit tanzt. Ein Körper, der sich so lange in der
Luft wiegt, bis er jede reelle Konsistenz verloren hat. Das einzige, was ihm
bleibt, sind die Beine, die da tanzen, und die Arme, die frohlocken, um ihre
Freiheit flehen oder sie laut in alle Welt hinausschreien. Ein ständiger,
aber nie greifbarer Wechsel von Erfülltheit und Leere, in einer Skulptur,
deren Pathos von konfliktreichen und tiefen Gefühlen getragen wird. Daher
hat sie Anna Chromy Persönlichkeiten der Oper zugeordnet, an denen sie
sich oft inspiriert und die sie in visionäre Sinnbilder unseres menschlichen
Lebens verwandelt. Und so erhebt sich auch schon das Gebet dieser tanzenden
Mönche, deren bronzene Kleider wehen wie unzählige zitternde und
gepeinigter Seelen, die in ihren harten Schalen gefangen sind.
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