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Der olympische Geist
Hommage an Herakles
2004, Bronze, Höhe 600 cm
In der griechischen Welt stellen die Olympischen Spiele ein Ereignis von außergewöhnlicher
Bedeutung dar. Alle vier Jahre trifft die beste hellenische Jugend in der uralten,
heiligen Stadt Olympia zusammen, um Wettkämpfe in den verschiedenen sportlichen
Disziplinen abzuhalten. Selbst Kriege werden unterbrochen, um die Durchführung
der Wettkämpfe zu sichern. Es geht soweit, dass aufgrund ihrer Regelmäßigkeit
die chronologischen Abläufe anderer Ereignisse bestimmt werden. Und so
kommt es, dass sich die zeitliche Geschichte mit dem Mythos ihres eigenen Ursprungs
vermischt. Für ihre Gründung sei niemand anderer als Herakles selbst
verantwortlich, der auf diese Weise den Wunsch seines Vaters Zeus erfüllte.
Wer, wenn nicht der populärste Held der klassischen Mythologie, mit seinen
legendären zwölf Mühen, hätte besser den Geist dafür
interpretieren können? Er, der immer als das Symbol für jegliche
moralische Stärke erachtet wurde. Er, der siegreich gegen die unendlich
vielen Schwierigkeiten des Lebens, gegen jede Art von Ungerechtigkeit und Gewalt
zu kämpfen vermag. In Olympia wurden Wettkämpfe ausgetragen, die
ein Ideal verfolgten. Und der Preis dafür konnte wohl nichts anderes sein
als ein schlichter Kranz, geflochten aus einem heiligen Olivenzweig.
Sich im Wettkampf stellen, um erneut die Reinheit des Sieges zu bestätigen.
Genau das ist der olympische Geist, mit dem sich Anna Chromy durch dieses Werk
neu inspiriert. Auch wenn der Wettkampf, den sie hier darstellt, den des heutigen
Menschen betrifft: eingefangen in einer hochdynamischen Phase, aber auch voll
von Unsicherheit über seinen möglichen Ausgang. So, wie es in der
Herausforderung geschieht, die von Generation zu Generation das Bewusstsein über
das Leben und sein Voranschreiten animiert. Schwung und Unsicherheit kennzeichnen
das Heranwachsen. Aber diese Athleten, Akrobaten, Tänzer steigen aufeinander,
fordern die Leere und Höhe heraus, wie ein Sinnbild derer, die auf jedem
Gebiet neue Höchstleistungen erreichen. Wie in einem Tanz erkunden ihre
harmonischen Körper den Raum, in den sie sich wagen. Sie stemmen einander
in die Höhe und bilden dabei eine melodiöse Spirale. Sie erfinden
Symmetrien in der Schraube, die an die Strukturen unseres tiefsten Ursprungs
anknüpfen: das DNA, das uns zugrunde liegt, das alle Informationen weiterleitet,
die für die Erhaltung des Lebens notwendig sind und die uns ermöglichen
zu existieren und uns im Universum zu verbreiten.
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