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Odysseus
2000, Bronze, Höhe 180 cm
Odysseus, der berühmteste Held der klassischen Homer'schen Antike, gilt
bis zum heutigen Tage als Symbol des nach Wissen hungernden Menschen, der nie
vor dem Unbekannten aufgibt. Als Sohn von Laertes und Antiklea, wird er vom
weisen Zentauren Cheiron aufgezogen und heiratet später die treue Penelope.
Was ihn auszeichnet, ist große Schlauheit und Mut, Abenteuerlust, diplomatische
Fähigkeiten und Vermittlerkunst, aber allen voran das Verlangen, die menschlichen
Laster und Tugenden zu verstehen. Agamemnon überredet ihn, am trojanischen
Krieg teilzunehmen, in dem er sich für seinen Mut und noch mehr für
seine große Schlauheit auszeichnet. Ihm ist der Betrug mit dem hölzernen
Pferd zuzuschreiben. Gehasst vom Gott Neptun verbringt er nach der Zerstörung
der Stadt mehr als zehn Jahre auf wunderlichen Irrfahrten quer durch den Mittelmeerraum,
bevor er nach Hause zurückkehrt. Die in der Odyssee, der abenteuerreichsten
Sammlung von Erzählungen der Antike, beschriebene Rückkunft in seine
Heimat wird später zum Paradigma für alle romanhaften Erzählungen
und reicht bis zum Odysseus von Joyce.
Das, was uns Anna Chromy hier plastisch vormodelliert hat, ist eine klare
Antwort auf unsere postmoderne Unruhe. Hier ist er, Odysseus, mit dem schönen
jungen Körper eines tanzenden Steuermannes. Wie oft hat er schon Schiffbruch
erlitten? Und dennoch beugt er sich nicht vor dem feindlichen Schicksal. Er
kämpft gegen den Wind. Auch wenn ihn die Gewalt des Meeres emporhebt,
dass er fast zu fliegen scheint. Festgeklammert am Steuerrad, das er zu bändigen
versucht. Sein linker Fuß ist der einzige Punkt, mit dem er die planlos
ausschlagende Ruderpinne berührt. Selbst im Unwetter überzeugt seine
Eleganz. Sein Antlitz ist verhüllt, sein Kopf trägt ein feuriges
Tuch. Völlig auf sich selbst konzentriert, denkt er über sein Schicksal
nach. Am Firmament sucht er nach Fixpunkten, die er verloren hat; aber es ist
die Wölbung eines inneren Firmaments, das er nun neu ausrichten muss.
Das was hier aus der visionären Sensibilität von Anna Chromy hervorquillt,
ist ein Odysseus von morgen. Sie experimentiert mit dem Unbekannten in ihr
und entdeckt dabei ein neues Maß an Schönheit.
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