Hommage an Mozart's Don Giovanni
Komtur – Pieta
1993, Bronze, Höhe 160 cm
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Don Giovanni
1993, Bronze, Höhe 200 cm |
Donna Anna
1993, Bronze, Höhe 180 cm
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Donna Elvira
1993, Bronze, Höhe 210 cm |
Zerlina
1994, Bronze, Höhe 180 cm
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Leporello
1994, Bronze, Höhe 156 cm |
Don Ottavio
1994, Bronze, Höhe 156 cm
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Masetto
1993, Bronze, Höhe 170 cm |
Leporello
1993, Bronze, Höhe 170 cm
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Nach einer mehr als hundertfünfzig Jahren literarischer und theatralischer
Bearbeitung nimmt die Person von Don Giovanni, dem letzten christlichen Mythos
an der Schwelle zur Moderne, als Heuchler, Verführer und Schauspieler
in der tragischen Form von Mozarts Oper seine endgültige Gestalt an. Welche
Stadt könnte besser geeignet sein, als das magische, verzauberte Prag,
das den richtigen theatralischen Schwung besaß, um bei seiner Geburt
dabei zu sein? Die dazugehörige Ouvertüre hat Mozart hier in einem
Zug komponiert. Von den ersten Klängen an, die mitreißend wie ein
Erdbeben sind, kündigt sich die titanische Herausforderung zwischen Don
Giovanni und dem Tod an, dem Wiedergutmacher von menschlichen Missetaten; während
des letzten makabren Banketts stürzt der Steinerne Gast auf die Szene
des Lebens, zerreißt den Vorhang zu dieser Welt und eröffnet zu
Füßen des unverbesserlichen Helden den Abgrund zu einem höllischen
Jenseits. Don Giovanni, als Symbol für die poetische Wahrheit als Frucht
des Schuldgefühls, das aus dem Wunsch nach unbefriedigter Allmächtigkeit
des Menschen entspringt, wird von der metaphysischen Leere seiner schuldigen
Haltlosigkeit aufgesaugt. Das Echo dieser tragischen Musik überlebt alle
Zeit: es berichtet von anderen Abgründen, die sich inmitten von Europa
aufgetan haben, von anderen kollektiven Verführungen, die elendiglich
geendet haben. Seit ihrer in Prag verbrachten Kindheit steht Anna Chromy unter
dem Bann dieser Faszination; seitdem sie Bildhauerin ist, spürt sie die
Eingebung und den Drang, sich mit dem Wiederhall dieses Themas zu messen.
Langezeit haben Don Giovanni und die anderen Darsteller dieses Meisterwerks
von Mozart an den Pforten ihrer Phantasie gepocht und gebeten, für immer
in einem steinernen Bühnenbild in verewigt zu werden. Und jedem von ihnen
widerfährt seine eigene surrealistische - plastische wie symbolische -
Metamorphose. So verwandelt sich der Komtur, das Sinnbild von Gerechtigkeit
und Mitleid, in eine beunruhigende sitzende Figur, unheilvoll streng in seiner
nunmehr körperlosen Dimension: nichts ist übrig geblieben als ein
zerschlissener, schwerer Umhang, ein Stück, das nur noch Leere umhüllt,
das nicht mehr mit Gewalt seine Rache durchsetzen will, sondern wie ein verborgener
Magnet, dessen Anziehungskraft die Kraft des Nichts' ist, die Aufmerksamkeit
auf sich selbst zieht, die seinen Untergang ahnen lässt. Don Giovanni
hingegen nimmt die Gestalt eines hübschen Balletttänzers und Fechters
an, dem Anna Chromy in surrealistischer Absicht einen Fohlenkopf aufsetzt:
ein reinrassiger Hengst, aristokratisch und grausam, dessen verrückte
Galoppritte am Ufer des Meeres ihn so unwiderstehlich machen, dass er sogar
den Versuch unternimmt, selbst den Tod zu verführen. Donna Anna erfährt
in einer einzigen Nacht die Enttäuschung eines nie erlebten Glücks
und gleichzeitig auch das grausamste aller Verbrechen. Jeder Todesfall erstickt
mit dem Mantel der Finsternis jedes neue Opfer. Der Leichnam des Vaters: zur
Gänze eingehüllt in einen leeren Mantel, vom Tod in Stücke zerrissen,
der ihn zum Gefangenen seines unglücklichen Schicksals macht. Das Gegenteil
trifft für Donna Elvira zu: hier explodiert die enttäuschte Leidenschaft
in all ihrer zerstörerischen Raserei. Der letzte Schimmer der Tragödie
zeigt ihren schönen nackten Körper im gleißenden Licht: eine
entwaffnete Anmut, die durch ihre Hingabe verloren gegangen ist. Bei Zerlina
lässt die Künstlerin die ganze zweideutige Moral und den falschen
Liebreiz erahnen: ihr Antlitz, zur Hälfte das einer Katze, enthüllt
ihren scharfsinnigen Instinkt: auch ihre Anmut scheint dafür geschaffen
zu sein, eher zu beherrschen als zu gefallen. Jede ihrer Bewegungen verzaubert
und betäubt ihre leichte Beute. Und da ist schon Leporello, verwandelt
in einen stolzen und lächerlichen Hahn: ein gefälliger Diener, der
dennoch jederzeit bereit ist, sich über jede Schandtat seines Herren zu
empören. Auch Don Ottavio wird in der heuchlerischen Duplizität zwischen
einem sterilen Liebhaber und einem Garanten für eine angegriffene moralische
Ordnung dargestellt. Sein Löwenkopf, aufgesetzt auf den Körper eines
Balletttänzers, ist rasend vor Eifersucht, rasend vor Wut, jener Wut der
Mächtigen, die plötzlich erkennen, wie nichtig sie sind. Zuletzt
bleibt noch Masetto, der keinerlei phantasievolle Verwandlung erfährt:
er bleibt ein armer Bauer, der für seine Hochzeit festtäglich herausgeputzt
ist und unter dieser phantasiereichen, glockenbestückten Kopfbedeckung
fast maskiert anmutet. Er wünscht sich, dass das Glockengeklingel so weit
als möglich zu hören sei, damit alle wissen, dass auch ihm das Schicksal
einen unerwarteten Glückstag beschert hat. Und dennoch finden wir ihn
hier gedemütigt, der Liebe Zerlinas beraubt, zum Schweigen gezwungen und
der Quälerei der Mächtigen ausgesetzt.
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