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Alkyone
2004, Bronze, Höhe 550 cm
Der Mythos von Alkyone zählt zu den bedeutendsten klassischen griechischen
Mythen, in denen die eheliche Liebe selbst den Tod zu bezwingen vermag. Die
Tochter des Gottes der Winde, eine bildhübsche Nymphe, wird dem jungen
und ehrenhaften Keyx zur Frau gegeben, dem Sohn des Morgensterns Heosphoros.
Verliebte junge Geschöpfe, entstanden aus der Unendlichkeit von Himmel
und Meer. Ihre Verbindung ist derart glücklich, dass selbst die Götter
neidig werden. Aber eines Tages muss sich der junge Mann von ihr trennen, um
das jenseits des Ozeans gelegene Orakel aufsuchen und befragen zu können.
Im Traum erscheint Alkyone ihr geliebter Mann, der bei einem Unwetter ertrinkt.
Sie stürzt sich aus Verzweiflung sogleich ins Meer, überzeugt, dass
sobald auch sie die Schwelle des Todes überwunden haben würde, sie
ihren Mann wieder erreichen und zurück ans Licht bringen könne. Gerührt über
diese große Liebe beschließen die Götter, ihren Mut zu belohnen
und verwandeln sie in einen Eisvogel und ihren geliebten Mann in eine Möwe.
(Ovid, Met., XI, 384).
Anna Chromy bereichert diese klassische Vision mit einem dramatischen Element,
das unsere moderne Realität bedroht: die ökologische Zerstörung
der Meere. Keyx wird zum Opfer und zum Symbol einer Gefahr, die uns bedroht.
Er ertrinkt, weil er sich in einem großen Schleppnetz verfängt,
das die Meeresgründe verwüstet. Umso großzügiger erscheint
die rettende Kraft von Alkyone, die hier in jenem Moment eingefangen ist, als
sie versucht, ihren Mann dem Reich des Todes zu entreißen. Sie steigt
in die Lüfte und hebt seinen schönen, leblosen Körper aus den
Fluten. Mit solch einem grausamen Ende kann sie, die Frau, sich nicht abfinden.
Mit all ihrer Kraft hebt sie ihn hoch in die Lüfte, hinauf in den Himmel,
in eine neue Dimension. Ihre Körper bilden den Bogen eines großen
Segels, das jedem bösen Schicksal trotzt. Nur die Zeichen der Liebe vermögen
unsere Welt zu verändern. So werden Alkyone und Keyx, durch ihre Liebe
in ewige geflügelte Geschöpfe verwandelt, zu zwei Symbolen der Hoffnung.
Sie interpretieren die Sehnsucht einer Zivilisation, sich zu erneuern, wenngleich
sie auch tragische Verwandlungen durchmachen muss.
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