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Begriffliche Kunst in figurativer Darstellung
Anna Chromy liebt es, ein Thema zu entwickeln und es in ein Gemälde oder in eine Skulpturengruppe zu verwandeln. Um sich besser verständlich zu machen, wählt sie lieber die figurative als die abstrakte Darstellung. Dank der perfekten Beherrschung des Aktes drückt sie in jeder Faser des menschlichen Körpers Emotion aus - manchmal sogar in einer leeren Hülle, die der Körper bereits verlassen hat.
Obschon sie meisterliche Portraits
anfertigt, erstellt sie ihre thematischen Arbeiten ohne Gesichter. Damit lässt sie der Vorstellungskraft des Betrachters breiten Raum und unterstreicht die Universalität der Skulptur. Ihre Themen sind in Erinnerungen verwurzelt, die in die frühen Tage ihrer Kindheit zurückreichen und in Form von Träumen wiederkehren. Die Spiegelung des rosa- und lilafarbenen Himmels in der Moldau, die barocken Skulpturen auf der Karlsbrücke, Marionettentänzer, die sich zu himmlischen Melodien bewegen und Monster aus Ton, wie der "Golem" des Rabbi Loew.
Die Geschichte (eines Ortes, eines Ereignisses, einer Person) und ihre Umwandlung in ein Memorial,
die griechische Mythologie (Sisyphus, Ulysses, Alkyon usw.), die Bibel, Oper, Ballett und Musik im Allgemeinen, sowie das Zeitalter des Barock und seine Helden (Don Juan, Faust, Hamlet usw.) liefern Anna Chromy die Bilder für ihr begriffliches Schaffen. Aber es sind nicht nur die Bildern, es ist auch die Art, wie das Barock mit Skulpturen umging, die sie beeinflusst hat. Tatsächlich war das Barock die einzige Periode in der Kunstgeschichte, in der die Bildhauerei zur Darstellung eines Themas genutzt und integraler Bestandteil der Architektur wurde. Kein Wunder, dass die Genies dieses Zeitalters wie Bernini und Borromini zugleich Bildhauer und Architekten waren (wie auch einige moderne Architekten, etwa Frank O. Gehry, die zusammen mit ihren Gebäuden riesige Skulpturen schaffen). Die gerade Linie wurde aufgegeben, alles geriet in Bewegung, in Fluss - gerade so wie in den Skulpturen von Anna Chromy.
Anna Chromy entdeckte den alten Brauch, Skulpturen zu bemalen, neu für sich. Die Gold-, Violett- und Mauvetöne ihrer Arbeiten, die schon im Barock vorherrschend waren, symbolisieren Transzendenz und eine höhere Macht und verleihen den Skulpturen ein mystisches und magisches Aussehen.
Nachdem Sie viele Jahre mit Bronze gearbeitet hat entdeckte Anna in den letzten Jahren ihre Liebe für das nobelste aller Materialien, den weißen Carrara Marmor.
Und wieder gelang es ihr alle zu überraschen indem sie mit diesem schwierigen, delikaten Stein Meisterwerke wie ihre Euridike, die Europa, und natürlich den unvergleichlichen Friedensmantel schuf.
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